Antwort
Eine Neuentwicklung kann langfristig richtig sein, ist aber nicht automatisch die sicherere Entscheidung. Alte Software enthält oft jahrelang gewachsene Geschäftsregeln, seltene Ausnahmen und Integrationen, die niemand vollständig dokumentiert hat. Bei einem vollständigen Neustart müssen diese Regeln neu entdeckt, umgesetzt und parallel zum laufenden Betrieb geprüft werden. Das Risiko liegt dann nicht nur im alten Code, sondern in verlorenem Fachwissen.
Häufig ist ein schrittweises Vorgehen besser: Betrieb zunächst stabilisieren, Beobachtbarkeit und Tests ergänzen, eine fachliche Grenze wählen und neue Funktionen neben oder vor dem Bestand aufbauen. So kann der alte Kern kontrolliert kleiner werden. In anderen Fällen ist das System so unsicher oder unwartbar, dass ein begrenzter Parallelneubau wirtschaftlicher ist. Die Entscheidung sollte auf Risiko, Änderungsbedarf, Daten und Abnahmemöglichkeit beruhen – nicht auf dem Alter einer Programmiersprache oder dem ästhetischen Eindruck des Codes.
Redaktioneller Stand: 3. September 2026
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