Shopware 5 ablösen: Workspace als Alternative zu einem reinen Versionswechsel
Dieser Entscheidungsleitfaden hilft Ihnen zu klären, ob Sie Shopware 5 durch Shopware 6, Workspace oder einen schrittweisen Parallelbetrieb ersetzen. Im Mittelpunkt stehen die Daten, Funktionen und Geschäftsabläufe, die nach dem Wechsel zuverlässig weiterlaufen müssen.
Shopware stellte Bugfixes, kleinere Verbesserungen und gesetzliche Anpassungen für Shopware 5 bis Ende Juli 2023 bereit. Die Unterstützung für kritische Sicherheitsprobleme endete Ende Juli 2024. Wer Shopware 5 noch betreibt, sollte daher nicht nur den Import, sondern auch Betrieb, Integrationen und Zielarchitektur prüfen.
Reicht eine technische Shopmigration?
Zählen Sie, wie viele Aussagen auf Ihre aktuelle Shopware-Landschaft zutreffen.
| Prüffrage | Punkt |
|---|---|
| Mehr als 20 individuelle Plugins oder Erweiterungen? | 1 |
| Preise oder Sonderkonditionen liegen teilweise in Excel? | 1 |
| Bestellungen kommen regelmäßig per E-Mail, Telefon oder Außendienst? | 1 |
| Kunden benötigen individuelle Sortimente, Preise oder Freigaben? | 1 |
| Produktdaten kommen aus mehreren Quellen oder sind uneinheitlich gepflegt? | 1 |
| ERP-Prozesse benötigen regelmäßig manuelle Nacharbeit? | 1 |
| Dokumente, Reklamationen oder Nachweise laufen außerhalb des Shops? | 1 |
| Der Shop dient überwiegend als geschlossenes B2B-Portal? | 1 |
| Ergebnis | Einordnung |
|---|---|
| 0–2 Punkte | Eine technische Migration kann ausreichen, wenn Datenqualität, SEO und Schnittstellen überschaubar bleiben. |
| 3–5 Punkte | Beziehen Sie den gesamten Vertriebsprozess in die Entscheidung ein. Sonst ziehen alte Abhängigkeiten in das neue System um. |
| 6–8 Punkte | Produktdaten, B2B-Abläufe, Aufträge, Dokumente und Integrationen prägen das Projekt stärker als die Shopoberfläche. |
Der Punktestand trifft keine Systementscheidung. Er zeigt, wie tief die fachliche Analyse vor dem Zielbild reichen sollte.
Wann sollte Workspace geprüft werden?
Der Wechsel zu Workspace ist nicht für jeden Shopware-5-Shop die richtige Entscheidung. Ordnen Sie vor der Systemwahl ein, welche Oberfläche und welche fachlichen Abläufe das Ziel tragen sollen.
| Ausgangslage | Sinnvolle Prüfung |
|---|---|
| Standardisierter B2C-Shop mit Schwerpunkt auf offener Storefront und Marketing | Shopware 6 und andere Shopsysteme vergleichen. |
| Individuelle Kundenpreise, Sortimente, Rollen oder Freigaben | Workspace als Commerce- und Prozessplattform prüfen. |
| Produktdaten aus Excel, ERP und mehreren weiteren Quellen | PIM-Zielmodell vor der Shopentscheidung klären. |
| Bestellungen zusätzlich per E-Mail, Telefon, CSV oder Außendienst | Alle Auftragseingänge und ihre Bearbeitung gemeinsam planen. |
| Login, Schnellbestellung, Dokumente und Bestellhistorie prägen den Shop | B2B-Portal statt klassischer Storefront prüfen. |
| Shopware soll vorerst weiterlaufen | Shopware mit Workspace integrieren. |
Eine Ablösung ist kein normales Update. Plugins, Themes, Schnittstellen, Datenmodell und Betriebsabläufe müssen fachlich neu bewertet werden. Das gilt auch dann, wenn Shopware 6 am Ende das Zielsystem bleibt.
Die Fragen „Wie migrieren wir von Shopware 5 auf Shopware 6?“ und „Shopware 5 oder Shopware 6?“ greifen zu kurz, sobald Shop und Vertriebsprozess eng verbunden sind. Dann gehört auch die Frage „Welche Geschäftsprobleme lösen wir, wenn wir ohnehin neu planen?“ in die Zielentscheidung.
Shopware-5-Wechselcheck vorbereiten
- Produkte, Varianten, Kategorien und Medien
- Kunden, Rollen, Kundengruppen und Einwilligungen
- Preise, Steuern, Promotions und individuelle Konditionen
- offene Bestellungen sowie Zahlungs-, Versand- und Fulfillment-Status
- Einkaufswelten, Erlebniswelten, CMS-Inhalte und Dokumente
- SEO-URLs, Weiterleitungen, Metadaten und Sitemaps
- Plugins, Custom Fields, Themes, Skripte und Cronjobs
- ERP-, PIM-, Zahlungs-, Versand-, Marketing- und Analyseintegrationen
Erfassen Sie bei jeder Erweiterung nicht nur den Namen. Dokumentieren Sie fachlichen Zweck, Datenhaltung, Lizenz, Verantwortliche, Abhängigkeiten und Ersatzoption. Erst danach lässt sich entscheiden, ob die Funktion übernommen, integriert, neu modelliert, archiviert oder gestrichen wird.
Workspace-Zielbereiche
- Onlineshops, Commerce und Checkout migrieren
- Einkauf und Verkauf im Überblick
- Produkte und Varianten verstehen
- Lieferzonen und Versandkosten pflegen
- B2B-Onlineshop bauen
- PayPal einrichten
Workspace verbindet PIM, Commerce, Auftrag, Versand, Rechnung, Dokumente und Reporting über gemeinsame Fachverträge. Preise, Steuern, Versandkosten und Promotions werden serverseitig ausgewertet. Ein importierter Quellwert oder eine Storefront darf diese Regeln nicht ersetzen.
Übernahme und Neumodellierung vergleichen
| Thema | Technische Übernahme | Fachliche Neumodellierung |
|---|---|---|
| Produkte | Daten übertragen | Familien, Varianten, Attribute und Medien im PIM bereinigen |
| Preise | Werte übernehmen | Preislisten, Gültigkeiten, Mengenstaffeln und Kundenzuordnungen festlegen |
| Kundenportal | Oberfläche nachbauen | Rollen, Freigaben, Dokumente und Bestellwege neu ordnen |
| ERP | bestehende Schnittstelle nachziehen | Auftrag, Bestand, Versand und Belege mit klarer Verantwortung integrieren |
| Plugins | technische Entsprechung suchen | Fachliche Aufgabe bewerten und unnötige Erweiterungen streichen |
| SEO | Metadaten kopieren | URL-Mapping, Weiterleitungen, Canonicals und Monitoring als Go-live-Vertrag planen |
| Reporting | vorhandene Berichte nachbauen | Commerce-, PIM- und Auftragsdaten gemeinsam auswerten |
Kritische Projektrisiken klären
| Prüffeld | Verbindliche Klärung |
|---|---|
| Plugins und Eigenentwicklungen | Welche Funktionen und Daten sind geschäftskritisch, und wo liegen sie künftig? |
| Theme und Storefront | Welche Oberflächen und Inhalte müssen neu umgesetzt werden? |
| SEO | Welche umsatzkritischen URLs, Backlinks, Metadaten und Weiterleitungen werden vor und nach dem Go-live geprüft? |
| Historische Bestellungen | Welche Daten bleiben im lesbaren Archiv, und wo ist ein projektspezifischer Adapter nötig? |
| Integrationen | Welche Richtung, Taktung, Fehlerbehandlung und Verantwortung gilt je Schnittstelle? |
| Betrieb | Wer verantwortet Hosting, Suche, Caching, Queues, Backups, Monitoring, Sicherheit und Updates? |
| Umschaltung | Welche Freeze-Fenster, Testfälle, Nacharbeiten und Rückfallwege sind vereinbart? |
Migration durchführen
| Schritt | Ergebnis |
|---|---|
| Quelle erfassen | Daten, Prozesse, Rollen, Plugins, Exporte und Integrationen sind dokumentiert. |
| Funktionen bewerten | Übernahme, Ersatz, Integration, Archivierung oder Streichung ist je Funktion entschieden. |
| Zielmodell festlegen | Verantwortung für PIM, Commerce, Storefront, Auftrag, Fulfillment und Betrieb ist klar. |
| SEO-Schnitt planen | URL-Mapping, Weiterleitungen, Metadaten, Sitemaps und Monitoring sind vorbereitet. |
| Daten bereinigen | Dubletten, Pflichtangaben, Status und Archivgrenzen sind geklärt. |
| Import vorbereiten | Feldmapping, Testdaten, Medien, Dokumente und Referenzen sind beschrieben. |
| Testmigration prüfen | Produkt-, Kunden-, Preis- und Bestellbezüge sowie Berechtigungen passen zusammen. |
| Go-live absichern | Umschaltung, Monitoring, Nacharbeiten, Archivzugriff und Rückfallweg sind freigegeben. |
Häufige Fragen
| Frage | Orientierung |
|---|---|
| Müssen alle Shopware-5-Plugins ersetzt werden? | Nein. Prüfen Sie zuerst die fachliche Aufgabe. Manche Funktionen werden im Zielsystem anders modelliert, andere können entfallen. |
| Können historische Bestellungen übernommen werden? | Nicht über einen unterstützten Standardimport in Workspace. Schließen Sie offene Bestellungen im bisherigen System ab oder erfassen Sie sie kontrolliert neu. Bewahren Sie historische Bestellungen als lesbares Archiv auf; eine automatisierte operative Übernahme benötigt einen projektspezifischen Adapter. |
| Wie lassen sich SEO-Verluste begrenzen? | Planen Sie URL-Mapping, Weiterleitungen, Metadaten, Sitemaps und Monitoring vor dem Go-live. Prüfen Sie besonders umsatzstarke Kategorien, Produkte und Landingpages. |
| Was geschieht mit individuellen Schnittstellen? | Erfassen Sie Richtung, Datenart, Taktung, Fehlerbehandlung und fachlichen Besitzer. Entscheiden Sie dann, ob die Schnittstelle in Workspace, im Shop oder in einem Integrationsdienst liegt. |
| Muss wieder ein klassischer Shop entstehen? | Nein. Wenn Login, Kundenpreise, Schnellbestellung, Dokumente und Ansprechpartner wichtiger sind als eine offene Storefront, kann ein B2B-Portal besser passen. |
Workspace bietet keine automatische 1-Klick-Migration. Exportmöglichkeiten, Customizing, Datenqualität und Zielprozess bestimmen das Mapping und die projektspezifischen Importschritte.
Erfolg erkennen
Die Entscheidung ist belastbar, wenn für jede geschäftskritische Funktion ein Ziel, eine Verantwortung und ein Testfall feststehen. Das Migrationskonzept muss außerdem operative Daten und Archiv trennen, kritische URLs absichern und einen freigegebenen Rückfallweg enthalten.
Nächste Schritte
- Sammeln Sie Exporte, Pluginlisten, Themes, Eigenentwicklungen und Schnittstellenverträge.
- Markieren Sie offene Bestellungen und Daten, die nur im Archiv benötigt werden.
- Erfassen Sie umsatzkritische URLs, Kategorien, Produkte und Landingpages.
- Vergleichen Sie mit dem Selbsttest technische Migration, Ablösung und Parallelbetrieb.
- Prüfen Sie die verlinkten Workspace-Bereiche vor dem ersten Importlauf.
Hinweis zu Marken
Genannte Marken, Produktnamen und Unternehmensnamen sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber. Sie werden hier nur zur eindeutigen Identifikation der jeweiligen Quellsysteme verwendet. Workspace ist nicht mit den genannten Anbietern verbunden, wird nicht von ihnen gesponsert, autorisiert oder empfohlen und ist kein offizielles Angebot dieser Anbieter.