Produktmodellierung: Entscheidungshilfe

Nutzen Sie diese Seite, wenn Sie schnell entscheiden müssen, ob ein Angebot als Produktfamilie, Variante, Relation, Konfiguration, Bundle, Mischgebinde oder Menge gepflegt werden soll. Ein sauberes Produktmodell macht Shop-Darstellung, Warenkorb, Preise, Angebote, Bestellung, Lager und Veröffentlichung einfacher.

Diese Seite ist die kurze Entscheidungshilfe mit Matrix, Entscheidungsbaum und Fallkatalog. Für einen einfachen Einstieg in Produktfamilien, Varianten, Attribute und Preise nutzen Sie zuerst PIM-Grundlagen. Die ausführlichen Modellierungsregeln und die Abgrenzung zwischen Verpackung, Mischgebinde, Bundle und Produktrelation stehen in Produktmodellierung: Best Practices.

Grundregel

Modellieren Sie zuerst die kaufmännische Wahrheit und danach die Darstellung. Der Shop soll vorhandene Produktdaten anzeigen, nicht fachliche Regeln aus Texten oder Snippets ableiten.

Merken Sie sich:

  • Die Familie gibt die gemeinsame Struktur vor.
  • Die Variante ist die konkrete kaufbare oder verwaltete Ausprägung.
  • Attribute beschreiben vergleichbare Merkmale.
  • Inhalte erklären das Produkt für einen Kanal.
  • Verkaufspreise gehören zur Variante oder zum verkaufbaren Mischgebinde.
  • Einkaufspreise gehören in Lieferantenpreislisten.

Entscheidungsmatrix

Wählen Sie die Struktur nach der fachlichen Bedeutung, nicht nach der gewünschten Anzeige im Shop.

FrageEmpfehlung
Hat die Ausprägung eine eigene SKU, einen eigenen Preis, eigenen Bestand oder eigene Steuerlogik?Pflegen Sie eine Variante.
Wählt der Kunde zwischen Größe, Farbe, Leistungspaket, Analyseumfang oder Lizenzstufe?Pflegen Sie Varianten innerhalb einer Produktfamilie.
Soll der Kunde eine zusätzliche Leistung oder ein Zubehörteil separat in den Warenkorb legen können?Pflegen Sie die Zusatzleistung als eigene Variante und verbinden Sie sie per Relation.
Ist die Ergänzung nur ein Hinweis, aber nicht separat kaufbar?Pflegen Sie sie als Inhalt, Attribut oder redaktionellen Abschnitt.
Ist die Eingabe kundenspezifisch, zum Beispiel Gravurtext, Terminwunsch oder Ausführungshinweis?Nutzen Sie configuration am Warenkorb, sofern daraus keine eigene bepreiste Position wird.
Wird nach Tagen, Stunden, Metern, Kilogramm oder Stück verkauft?Pflegen Sie die passende Basiseinheit und senden Sie im Shop quantity und unitOfMeasure.
Gehört eine Position zwingend zu einem Paketpreis?Prüfen Sie Bundle oder Mischgebinde statt loser Relation.
Sollen Kunden nach einem Wert filtern oder Varianten vergleichen?Pflegen Sie den Wert als Attribut, nicht nur im Beschreibungstext.
Ist der Text je Sprache, Kanal oder Zielgruppe anders?Pflegen Sie Produktinhalt, nicht eine neue Variante.
Geht es um Einkaufskonditionen eines Lieferanten?Pflegen Sie eine Lieferantenpreisliste unter Beschaffung.

Entscheidungsbaum

product_model_decision start Eigene SKU, eigener Preis, eigener Bestand oder eigene Steuerlogik? variant Variante start->variant Ja text Nur Text, Erklärung oder SEO? start->text Nein content Produktinhalt text->content Ja filter Filterbar oder vergleichbar? text->filter Nein attribute Attribut filter->attribute Ja purchasable Separat kaufbar? filter->purchasable Nein relation Eigene Variante plus Relation purchasable->relation Ja configuration_question Kundenspezifische Eingabe ohne eigene Position? purchasable->configuration_question Nein configuration Konfiguration configuration_question->configuration Ja package_question Zwingender Paketbestandteil? configuration_question->package_question Nein package Bundle oder Mischgebinde package_question->package Ja

Varianten richtig schneiden

Schneiden Sie Varianten dort, wo Prozesse oder kaufmännische Regeln abweichen. Eine Variante ist nicht nur ein Textabschnitt auf einer Produktseite. Sie ist die Einheit, die Preis, Warenkorb, Bestellung und Folgeprozesse trägt.

Nutzen Sie Varianten für:

  • Größen wie S, M, L oder Rastermaße.
  • Farben oder Materialien, wenn SKU, Preis, Bestand, Bild oder Lieferbarkeit abweichen.
  • Servicepakete wie Kompakt, Standard oder Premium.
  • Lizenzstufen oder Laufzeiten, wenn sie eigene Preislogik haben.
  • Verpackungs- oder Mengenausprägungen, wenn sie kaufmännisch getrennt laufen.

Vermeiden Sie Varianten für reine Marketingunterschiede. Wenn zwei Varianten denselben Preis, dieselbe SKU, dieselbe Einheit und dieselben Folgeprozesse haben, prüfen Sie zuerst, ob ein Attribut, ein Produktinhalt oder eine Konfiguration genügt.

Relationen für Zusatzangebote nutzen

Nutzen Sie Product Associations, wenn ein Produkt andere Produkte im Shop vorschlagen soll. Die Zielprodukte bleiben eigenständige Varianten mit eigenen Preisen, Einheiten und Warenkorbpositionen.

Typische Relationstypen:

TypAnzeige im ShopBeispiel
accessoryZubehör, Optionen oder ErweiterungenZusatzmessung, Pflegeöl, Kabel, Montageleistung
up_sellGrößere oder bessere AlternativePremium-Paket statt Standard-Paket
cross_sellErgänzende Empfehlungpassender Wartungsvertrag
substituteErsatzartikelNachfolgemodell bei Auslaufartikel
spare_partErsatzteilFilter, Akku, Dichtung
bonus_itemkostenlose BeigabeAktionsartikel ohne Zusatzpreis

Benennen Sie die Anzeige im Shop nutzerfreundlich. Der technische Typ kann accessory bleiben, auch wenn der Abschnitt im Shop Optionen, Erweiterungen oder Passend dazu heißt.

Konfiguration bewusst einsetzen

Nutzen Sie configuration, wenn der Kunde eine konkrete Position ausprägt, ohne eine andere kaufbare Variante zu wählen.

Geeignete Beispiele:

  • Gravurtext oder Drucktext.
  • Terminwunsch oder bevorzugtes Zeitfenster.
  • kurze Ausführungshinweise für eine Serviceposition.
  • Auswahl aus erlaubten nicht bepreisten Detailoptionen.

Nicht geeignet:

  • bepreiste Zusatzleistungen.
  • Alternativen mit eigener SKU.
  • Optionen mit eigener Steuer-, Verfügbarkeits- oder Erfüllungslogik.
  • Daten, die später als eigenständige Position im Angebot oder Auftrag erscheinen müssen.

Wenn eine Eingabe den Preis, die Menge oder die Erfüllung verändert, prüfen Sie zuerst Variante, Relation oder Bundle.

Mengen und Einheiten sauber pflegen

Pflegen Sie die Verkaufseinheit an der Variante so, wie der Shop sie in Warenkorb und Pricing verwenden soll. Der öffentliche Warenkorb arbeitet mit quantity und unitOfMeasure.

AngebotEinheitWarenkorb-Beispiel
physischer ArtikelPCquantity=2, unitOfMeasure=PC
BeratertagDAYquantity=3, unitOfMeasure=DAY
Handwerker-ArbeitszeitHquantity=4, unitOfMeasure=H
Kabel als MeterwareMquantity=12.5, unitOfMeasure=M
SchüttgutKGquantity=25, unitOfMeasure=KG

Nutzen Sie für Stückeinheiten ganze Mengen. Für Zeit, Länge, Gewicht oder Volumen können Dezimalmengen fachlich passen, wenn die Einheit so gepflegt ist.

Shop-Darstellung und Snippets

Eine Storefront soll die gepflegten Strukturen getrennt anzeigen:

  • Variantenachsen als Auswahl.
  • Preis und Verfügbarkeit aus der Public-Pricing-Antwort.
  • Menge und Einheit als Eingabe vor Add to Cart.
  • Relationen als eigene Empfehlungsgruppen.
  • Konfiguration als Formularfelder für die aktive Position.
  • Produktinhalte und Snippets als Darstellung, nicht als Preisquelle.

Senden Sie beim Hinzufügen zum Warenkorb immer die aktive variantId, die gewählte quantity, die öffentliche unitOfMeasure und optional eine zulässige configuration. Senden Sie keine Preise, Rabatte, Steuerwerte, Kundengruppe, Preisliste, Tenant oder Sales Channel aus dem Client.

Details für Entwickler stehen in Katalog, Preise und Produktdarstellung, Warenkorb, Checkout und Payment und Snippet-Vorlagen entwickeln.

Fallkatalog

Erweitern Sie diesen Katalog, wenn ein neues Muster im Alltag wiederkehrt. Halten Sie jeden Fall kurz: Ausgangslage, Empfehlung und Begründung.

Handwerker-Service

Ausgangslage: Ein Dienstleister verkauft Anfahrt, Arbeitszeit, Material und optionale Zusatzleistungen.

Empfehlung: Pflegen Sie Arbeitszeit als Servicevariante mit Zeiteinheit, zum Beispiel H. Pflegen Sie Anfahrt, Wartungspaket oder Zusatzprüfung als eigene Varianten, wenn sie separat bepreist werden. Verbinden Sie passende Zusatzleistungen per accessory.

Warum: Der Warenkorb kann Arbeitszeit über Menge und Einheit abbilden. Zusatzleistungen bleiben eigene Positionen und erscheinen sauber in Angebot, Auftrag und Dokument.

Beratungs- oder Analysepakete

Ausgangslage: Ein Anbieter verkauft mehrere Analyseumfänge und optionale Erweiterungen.

Empfehlung: Pflegen Sie die Analyseumfänge als Varianten einer Produktfamilie. Pflegen Sie Erweiterungen als eigene Servicevarianten und verbinden Sie sie per accessory. Nutzen Sie DAY, wenn ein Paket nach Tagen abgerechnet wird.

Warum: Der Kunde wählt genau einen Analyseumfang, kann aber zusätzliche Module separat hinzufügen. Tagesbasierte Leistungen bleiben über quantity nachvollziehbar.

Produkt mit Größenraster

Ausgangslage: Ein Produkt wird in mehreren Größen verkauft.

Empfehlung: Pflegen Sie jede kaufbare Größe als Variante. Nutzen Sie Attribute für Größe oder Rasterwert und zeigen Sie diese Attribute als Variantenachse im Shop.

Warum: Größen haben häufig eigene SKU, Preise, Verfügbarkeit, Medien oder Lieferzeiten. Eine Relation oder Konfiguration würde diese Unterschiede im Warenkorb verdecken.

Farbe oder Material

Ausgangslage: Ein Produkt ist in mehreren Farben oder Materialien verfügbar.

Empfehlung: Pflegen Sie Varianten, wenn Preis, Bestand, Bild, SKU oder Lieferzeit abweichen. Nutzen Sie nur Produktinhalt oder Konfiguration, wenn die Auswahl keine kaufmännische Wirkung hat.

Warum: Der Shop kann Variantenachsen anzeigen und für jede Auswahl Preis und Verfügbarkeit neu laden.

Zubehör und Ersatzteile

Ausgangslage: Ein Hauptprodukt hat Zubehör, Verbrauchsmaterial oder Ersatzteile.

Empfehlung: Pflegen Sie Zubehör und Ersatzteile als eigene Varianten. Nutzen Sie accessory für Zubehör und spare_part für Ersatzteile.

Warum: Zielprodukte bleiben separat kaufbar, bepreisbar, suchbar und dokumentierbar. Der Shop kann sie im Detailbereich des Hauptprodukts empfehlen.

Meterware, Gewicht und Zeit

Ausgangslage: Ein Produkt oder Service wird nicht pro Stück verkauft.

Empfehlung: Pflegen Sie die passende Basiseinheit an der Variante und Preise passend zur Einheit. Lassen Sie den Shop Menge und Einheit an Pricing und Cart senden.

Warum: Die Menge bleibt im Warenkorb eindeutig. Preisstaffeln, Steuerlogik und Dokumente arbeiten mit derselben Einheit wie der Shop.

Pflichtpaket oder Set

Ausgangslage: Mehrere Positionen sollen nur gemeinsam verkauft werden.

Empfehlung: Prüfen Sie Bundle oder Mischgebinde. Nutzen Sie keine lose accessory-Relation, wenn der Kunde die Zielposition nicht unabhängig entfernen darf.

Warum: Relationen empfehlen eigenständige Produkte. Ein Pflichtpaket braucht einen verbindlichen Produkt- oder Angebotsvertrag.

Pflege-Checkliste

Prüfen Sie vor der Veröffentlichung:

  1. Gehört die Variante zur richtigen Produktfamilie?
  2. Sind SKU, Name, Fähigkeit, Steuerklasse und Basiseinheit korrekt?
  3. Sind Attribute und Variantenachsen konsistent gepflegt?
  4. Gibt es gültige Preise für die relevante Preisliste und Einheit?
  5. Sind Zusatzangebote als eigene Varianten gepflegt?
  6. Sind Relationen mit passendem Typ und Sortierung gepflegt?
  7. Sind Produktinhalte, Medien, Route und Veröffentlichung vollständig?
  8. Lädt der Shop Preise und Verfügbarkeit aus Public Pricing?
  9. Sendet Add-to-Cart nur variantId, quantity, unitOfMeasure und zulässige configuration?

Nächste Schritte