Fulfillment-Strategien wählen

Eine Fulfillment-Strategie beantwortet eine einfache Frage: Wie kommt eine verkaufte physische Variante zum Kunden?

Setzen Sie die Strategie im Logistikmodul der Produktvariante. Workspace nutzt sie später in Angebot, Warenkorb, Bestellung, Lager, Fertigung, Beschaffung, Versand und Auswertungen. Die Strategie ist keine Marketingbeschreibung und keine Produktfähigkeit. Sie beschreibt den operativen Weg nach dem Verkauf.

Nutzen Sie diese Seite, bevor Sie physische Produkte veröffentlichen oder bestehende Varianten in Lager-, Fertigungs- oder Beschaffungsprozesse einbinden.

Die schnelle Entscheidung

Stellen Sie zuerst diese Frage:

> Liegt die verkaufte Ware bereits fertig bei uns, entsteht sie erst nach > Auftrag, kommt sie direkt vom Lieferanten oder muss sie erst beschafft werden?

SituationStrategie
Fertige Ware liegt im eigenen Lager und soll reserviert, gepickt und versendet werden.stock
Der Artikel gehört zum regulären Sortiment, darf aber bei fehlendem Bestand als Nachlieferung offen bleiben.nos
Ein externer Lieferant erfüllt die Lieferung direkt oder operativ außerhalb des eigenen Lagers.dropship
Ein vorhandenes Vorprodukt wird nach Bestellung fertiggestellt.finish_to_order
Komponenten werden nach Bestellung montiert.assemble_to_order
Das Produkt wird erst wegen der Bestellung gefertigt.make_to_order
Das Produkt wird erst wegen der Bestellung eingekauft oder disponiert.procure_to_order

Wenn mehrere Strategien möglich wirken, wählen Sie die Strategie nach dem ersten realen operativen Engpass. Ein Artikel, der erst gefertigt werden muss, ist nicht stock, auch wenn er später im Versand aus einem Lagerfach entnommen wird. Ein Artikel, der regelmäßig im Sortiment geführt wird und nur gerade fehlt, ist eher nos als procure_to_order.

Entscheidungsbaum

fulfillment_decision stock_available Liegt fertige Ware im eigenen Lager? pick_ship Reservieren, picken und versenden? stock_available->pick_ship Ja partner Liefert ein Partner direkt? stock_available->partner Nein stock stock pick_ship->stock Ja nos_question Sortimentsartikel mit möglicher Nachlieferung? pick_ship->nos_question Nein nos nos nos_question->nos Ja dropship dropship partner->dropship Ja procure Wird nur beschafft? partner->procure Nein procure_to_order procure_to_order procure->procure_to_order Ja assemble Wird montiert? procure->assemble Nein assemble_to_order assemble_to_order assemble->assemble_to_order Ja finish Wird finalisiert? assemble->finish Nein finish_to_order finish_to_order finish->finish_to_order Ja make Wird vollständig hergestellt? finish->make Nein make_to_order make_to_order make->make_to_order Ja

Strategien im Überblick

StrategieBestandFertigungMontageBeschaffung
stockfertige Ware---
nosvorhandene Menge nutzbar, Fehlmenge offen--Nachlieferung möglich
dropshipnicht normaler Weg--Partner erfüllt direkt
finish_to_orderVorprodukt oder SonderbestandFinalisierungoptionaloptional
assemble_to_orderKomponenten oder Sonderbestand-Montageoptional
make_to_orderMaterial oder SonderbestandFertigungoptionaloptional
procure_to_orderSonderbestand möglich--auftragsbezogen

Best Practice für gemischte Fälle

Wählen Sie die Strategie immer für die Variante, die der Kunde kauft. Fragen Sie nicht zuerst, welches Einzelteil fehlt, sondern was das verkaufte Ergebnis ist.

Wenn das verkaufte Ergebnis erst durch Ihre Arbeit entsteht, wählen Sie eine Fertigungs- oder Montagestrategie. Das gilt auch dann, wenn ein benötigtes Eingangsteil erst nach dem Kundenauftrag bestellt wird. Die Beschaffung des Eingangsteils bleibt ein eigener Einkaufs- oder Dispositionsschritt; sie macht die verkaufte Endvariante nicht automatisch zu procure_to_order.

Beispiel: Sie verkaufen ein vorkonfiguriertes Kassenterminal für einen Laden. Das Basisgerät bestellen Sie erst nach Kundenauftrag. Barcode-Scanner, Halterung und Netzteil liegen im Lager. Ihr Team montiert alles, spielt die Konfiguration auf und prüft das Gerät. Die verkaufte Variante ist das fertige Kassenterminal, nicht das nackte Basisgerät. Verwenden Sie für die Verkaufsvariante assemble_to_order. Pflegen Sie Basisgerät, Scanner, Halterung und Netzteil als Eingänge im Fertigungs- oder Montageplan. Starten Sie die Beschaffung für das Basisgerät separat, wenn es nicht am Lager liegt.

Verwenden Sie procure_to_order dagegen, wenn der Kunde genau den beschafften Artikel unverändert erhält. Wenn Sie das Produkt danach montieren, konfigurieren, prüfen oder aus mehreren Teilen zu einem neuen Verkaufsartikel zusammenbauen, ist die verkaufte Endvariante normalerweise assemble_to_order, finish_to_order oder make_to_order.

Beispiel: Basisgerät plus wählbare Energieeinheit

Ein Händler verkauft mobile Prüfgeräte für Servicetechniker. Das Basisgerät wird ohne Energieeinheit vom Lieferanten bezogen. Kunden wählen beim Kauf zwischen Standardakku, Langzeitakku oder Kälteakku. Die Akkus liegen im eigenen Lager. Nach der Bestellung beschafft das Team das Basisgerät, setzt den gewählten Akku ein, prüft das Gerät und versendet das fertige Prüfgerät.

Modellieren Sie diesen Fall so:

ElementBest Practice
ProduktfamilieMobiles Prüfgerät mit gemeinsamen Attributen wie Displaygröße, Messbereich, Schutzklasse und Energieeinheit.
VerkaufsvariantenJe kaufbarer Endausprägung eine Variante: Prüfgerät Standardakku, Prüfgerät Langzeitakku, Prüfgerät Kälteakku.
Erfüllungsstrategie der Verkaufsvariantenassemble_to_order, weil das verkaufte Gerät erst nach Auftrag bestückt und geprüft wird.
BasisgerätEigene physische Eingangsvariante, die nicht zwingend öffentlich verkauft wird. Sie kann auftragsbezogen beschafft werden.
AkkusEigene physische Eingangsvarianten mit Lagerbestand, Tracking und Einkaufspreisen, wenn sie separat geführt werden.
Fertigungs- oder MontageplanPro Endvariante oder je eindeutigem Ergebnis ein Plan mit der verkauften Variante als primärem Ergebnis. Eingänge sind Basisgerät plus passender Akku.
Preis und Shop-AuswahlPreis und Auswahl liegen auf den Verkaufsvarianten. Der Kunde wählt also die Endausprägung, nicht nur einen freien Textwert.

Warum nicht procure_to_order? Der Kunde erhält nicht nur das beschaffte Basisgerät. Er erhält ein geprüftes, bestücktes Endprodukt. Die Beschaffung des Basisgeräts ist ein Eingangsschritt für die Montage, nicht die Fulfillment-Strategie der verkauften Endvariante.

Warum eigene Verkaufsvarianten? Die Akku-Auswahl verändert Material, Preis, Lieferfähigkeit, Lagerbedarf und spätere Auswertung. Deshalb ist sie keine reine Freitext-Konfiguration. Wenn eine Auswahl Preis, Bestand oder Erfüllung verändert, modellieren Sie sie als Variante oder sauber bepreistes Angebot, nicht als unstrukturierte Notiz.

Wenn trotzdem Bestand vorhanden ist

Manchmal liegt echte Ware im Lager, obwohl die Variante nicht klassisch als stock gepflegt ist. Das kann passieren, wenn ein Auftrag storniert wurde, mehr produziert wurde als verkauft, ein Rückläufer wieder verwendbar ist oder ein Lieferant früher geliefert hat als erwartet.

Bewerten Sie solchen Bestand nach der Strategie der verkauften Variante:

StrategieDarf vorhandener Bestand genutzt werden?Regel
stockJaFertiger Bestand ist der Normalfall.
nosJaVorhandene Menge kann genutzt werden; fehlende Menge bleibt als Nachlieferung oder Backorder offen.
dropshipNur bewusstEigener Bestand ist nicht der normale Erfüllungsweg.
finish_to_orderNur bewusstPrüfen Sie, ob der Bestand die fertige Verkaufsvariante oder nur ein Vorprodukt ist.
assemble_to_orderNur bewusstKomponentenbestand ist normal; fertiger Endbestand ist ein Sonderbestand.
make_to_orderNur bewusstFertiger Bestand aus Überproduktion, Storno oder Rücklauf bleibt ein geprüfter Sonderfall.
procure_to_orderNur bewusstBestand aus früherem Auftrag oder Mindestbestellmenge ändert die Strategie nicht automatisch.

Der wichtigste Unterschied: nos darf vorhandenen Bestand nutzen und fehlende Mengen offen halten. dropship, assemble_to_order, finish_to_order, make_to_order und procure_to_order werden dadurch nicht automatisch zu stock.

Wenn Sonderbestand regelmäßig entsteht oder regelmäßig verkauft werden soll, prüfen Sie die Produktmodellierung. Oft ist eine eigene Verkaufsvariante, ein klarer Lagerverkaufspfad oder eine bewusste Strategieänderung für neue Bestellungen sauberer als ein stiller Einzelfall. Ändern Sie die Strategie aber nicht rückwirkend, nur damit alte Bestände, offene Aufträge oder Auswertungen passend wirken.

Beispiele:

  • Ein nos-Filter ist normalerweise nachlieferbar. Heute liegen drei Stück im Lager. Workspace kann diese drei Stück nutzen; eine größere Bestellung zeigt die Restmenge weiter als Nachlieferung.
  • Ein dropship-Sofa steht wegen einer Retoure im eigenen Lager. Verkaufen Sie es nicht still über den Dropship-Pfad, wenn Ihr Lager tatsächlich pickt und versendet. Klären Sie dafür einen Lagerverkaufspfad oder eine passende Variante.
  • Ein assemble_to_order-Service-Kit wurde für einen stornierten Auftrag schon montiert. Wenn genau dieses fertige Kit wieder verkauft werden soll, prüfen Sie den fertigen Bestand bewusst. Neue Standardaufträge bleiben trotzdem Montageaufträge, solange die Verkaufsvariante assemble_to_order ist.

Was die Strategie beeinflusst

Die Erfüllungsstrategie wirkt nicht nur auf ein einzelnes Feld. Sie beeinflusst, wie Workspace den Vorgang in mehreren Bereichen einordnet.

BereichAuswirkung
BestellungDie Bestellposition übernimmt die Strategie als Snapshot. Spätere Produktänderungen ändern den bestehenden Vorgang nicht still.
Reservierungstock reserviert verfügbare Ware. nos kann offene oder nachzuliefernde Mengen sichtbar machen. Fertigungs- und Beschaffungsstrategien reservieren keine fertige Ware.
LagerbuchungBestand entsteht oder verschwindet nur durch echte Lager-, Wareneingangs-, Fertigungs- oder Versandbuchungen. Die Strategie bucht selbst keine Ware.
FolgeprozessFertigungsstrategien führen zu einem Fertigungsfolgeprozess. procure_to_order führt zu einem Beschaffungsfolgeprozess.
VersandVersand kann erst sauber laufen, wenn die konkrete Ware verfügbar, gepickt und versandbereit ist.
AuswertungenBestand, Verfügbarkeit, Backorder, offene Folgeprozesse, Wareneinsatz und Marge werden je nach Strategie anders sichtbar.

Strategien im Detail

stock: Lagerware

Nutzen Sie stock, wenn die fertige Ware im eigenen Lager verfügbar sein muss. Workspace reserviert verfügbare Menge für den Auftrag. Danach laufen Picking, Packen und Versand über den normalen Lagerfluss.

Das passt für klassische Lagerartikel: Ware kommt über Einkauf oder Produktion in den Bestand, liegt im Lagerfach und verlässt das Lager beim Versand.

Wählen Sie stock nicht als Platzhalter, wenn der Artikel erst hergestellt, montiert oder beschafft werden muss. Fehlender Bestand blockiert dann den Verkaufspfad oder die Erfüllung, obwohl fachlich eigentlich ein Folgeprozess nötig wäre.

Auswertungen zeigen stock stark lagerbezogen: verfügbarer Bestand, Reservierungen, Picks, Warenausgang und Wareneinsatz sind die wichtigsten Signale. Margenberichte können den Wareneinsatz aus dem bewerteten Bestand ableiten, sobald Ware versendet wurde.

Praxisbeispiele:

  • Ein Händler verkauft Standard-Schraubensets, die fertig verpackt im Lager liegen. Jede Bestellung reserviert ein Set, das Lager pickt es und der Versand bucht den Warenausgang.
  • Ein Ersatzteilhändler führt Bremsbeläge als lagernde Ware. Wenn Bestand verfügbar ist, blockiert Workspace die Menge für den Auftrag; wenn Bestand fehlt, muss Einkauf oder Lager den Bestand klären, bevor der Versand sauber weiterläuft.

nos: Standardsortiment mit Nachlieferung

Nutzen Sie nos, wenn ein Artikel zum regulären Sortiment gehört, aber bei fehlendem Bestand nachgeliefert werden darf. Workspace behandelt den Bedarf als offene oder nachzuliefernde Position, statt die Variante als reine Auftragsbeschaffung zu sehen.

Das passt für Standardartikel, die regelmäßig wiederkommen: Der Kunde bestellt einen normalen Sortimentartikel, das Lager hat ihn aber gerade nicht in ausreichender Menge.

Verwechseln Sie nos nicht mit procure_to_order. Bei nos ist der Artikel Teil des geplanten Sortiments. Bei procure_to_order löst die konkrete Bestellung erst eine gezielte Beschaffung aus.

Auswertungen zeigen bei nos besonders offene Bedarfe, Nachlieferungen und Backorder-Situationen. Wareneinsatz und Marge entstehen trotzdem erst, wenn Ware tatsächlich eingegangen, bewertet und später versendet wurde.

Praxisbeispiele:

  • Ein Bürobedarfshändler führt Standard-Toner als Sortimentartikel. Ein Kunde bestellt mehr Stück als aktuell verfügbar sind. Die fehlende Menge bleibt als Nachlieferung sichtbar, weil der Artikel regelmäßig nachgefüllt wird.
  • Ein Sanitärgroßhandel verkauft Filterkartuschen, die dauerhaft im Sortiment sind. Wenn das Lager kurzzeitig leer ist, soll der Bedarf in der Nachlieferungsliste erscheinen und nicht wie eine einmalige Projektbeschaffung behandelt werden.

dropship: Direktversand oder externe Erfüllung

Nutzen Sie dropship, wenn nicht das eigene Lager die Ware erfüllt, sondern ein externer Partner. Die Bestellung bleibt kaufmännisch in Workspace sichtbar, die operative Lieferung liegt aber außerhalb des normalen eigenen Lagerflusses.

Das passt für Lieferanten-Direktversand, externe Fulfillment-Partner oder Sonderfälle, bei denen ein Partner die Position ausführt.

Prüfen Sie bei dropship, wie Ihr Team Lieferstatus, Kundenauskunft, Trackingdaten und Rückfragen organisiert. Workspace behandelt diese Position nicht wie eigene Lagerware, die gepickt und ausgebucht wird.

Auswertungen trennen dropship von eigener Lagerleistung. Fehlende eigene Reservierungen sind hier kein Lagerfehler. Für Marge und Kosten brauchen Teams einen klaren kaufmännischen Lieferanten- oder Belegprozess.

Praxisbeispiele:

  • Ein Möbelhändler verkauft sperrige Sofas, die der Hersteller direkt an den Kunden liefert. Die Bestellung bleibt kaufmännisch sichtbar, aber das eigene Lager pickt keine Ware.
  • Ein Onlineshop verkauft Haushaltsgeräte über einen Distributor. Der Distributor versendet direkt und liefert Trackingdaten zurück. Das eigene Team prüft Lieferstatus und Kundenkommunikation, nicht Lagerfach und Pickliste.

finish_to_order: Fertigstellen nach Auftrag

Nutzen Sie finish_to_order, wenn ein Vorprodukt vorhanden ist und erst nach Bestellung finalisiert wird. Das Produkt ist also nicht komplett neu zu fertigen, aber auch noch nicht als fertige Verkaufsware verfügbar.

Beispiele sind Konfiguration, Endprüfung, kundenspezifische Finalisierung oder Veredelung eines vorhandenen Grundartikels.

Die Strategie markiert einen Fertigungsfolgeprozess. Für die automatische oder bewusste Anlage eines verlinkten Fertigungsauftrags braucht Workspace einen freigegebenen Fertigungsplan, dessen primäres Ergebnis zur bestellten Variante passt.

Auswertungen zeigen diese Position zuerst als offenen Fertigungsbedarf. Bestand für die fertige Variante entsteht erst, wenn der Fertigungsauftrag gebucht wurde.

Praxisbeispiele:

  • Eine Druckerei hält neutrale Schilderrohlinge am Lager und graviert nach Auftrag Namen, Etagen oder Raumnummern ein. Der Rohling ist vorhanden, das verkaufsfertige Schild entsteht erst durch die Finalisierung.
  • Ein Fahrradservice hält vormontierte Räder bereit und passt nach Bestellung Lenker, Sattelposition und Endprüfung an. Das Grundprodukt existiert, aber die kundenfertige Verkaufsvariante ist erst nach Abschluss der Arbeit bereit.

assemble_to_order: Montieren nach Auftrag

Nutzen Sie assemble_to_order, wenn einzelne Komponenten vorhanden sind und erst nach Bestellung zu einem verkaufbaren Produkt montiert werden.

Das passt für Sets, Geräte, Baugruppen oder kundennahe Montagefälle, bei denen das fertige Produkt nicht dauerhaft als Lagerware geführt werden soll.

Auch hier reserviert Workspace keine fertige Verkaufsware. Prüfen Sie stattdessen Komponentenbestand, Fertigungsplan, Arbeitsplatz und später die Buchung des Montageergebnisses.

Auswertungen unterscheiden Komponentenbestand, offenen Montagebedarf und fertigen Ergebnisbestand. Versand ist erst sinnvoll, wenn das montierte Ergebnis gebucht und verfügbar ist.

Praxisbeispiele:

  • Ein Händler verkauft ein vorkonfiguriertes Kassenterminal. Das Basisgerät wird nach Auftrag beschafft, Scanner und Halterung liegen im Lager. Ihr Team montiert und konfiguriert das fertige Terminal. Die Verkaufsvariante ist assemble_to_order, weil das Kundenergebnis durch Montage entsteht.
  • Ein Maschinenbauer verkauft ein Service-Kit aus Pumpe, Dichtungssatz, Schlauch und gedruckter Anleitung. Die Einzelteile liegen getrennt im Lager und werden erst nach Auftrag als geprüftes Kit zusammengestellt.

make_to_order: Fertigen nach Auftrag

Nutzen Sie make_to_order, wenn das Produkt erst wegen der Bestellung hergestellt wird. Die Bestellung löst also einen Fertigungsauftrag oder einen bewusst gestarteten Fertigungsfolgeprozess aus.

Das passt für Einzelanfertigungen, geringe Serien, kundenindividuelle Produkte oder Produkte, die nicht als fertiger Lagerbestand vorgehalten werden.

Prüfen Sie vor der Veröffentlichung, ob Produkt, Fertigungsplan, Material, Arbeitsgänge und Tracking zusammenpassen. Fehlt ein freigegebener Plan, ist die Bestellung nicht automatisch falsch, aber der Folgeprozess bleibt blockiert, bis die Stammdaten korrigiert sind.

Auswertungen zeigen offene Fertigung, Materialbedarf und später den gebuchten Ergebnisbestand. Wareneinsatz und Marge werden erst belastbar, wenn die benötigten Bestands- und Versandbuchungen vorhanden sind.

Praxisbeispiele:

  • Eine Werkstatt fertigt Kabelbäume nach Kundenauftrag. Länge, Stecker und Schutzschlauch hängen vom Auftrag ab; es gibt vorher keine fertige Lagerware.
  • Ein Metallbetrieb fertigt Haltewinkel nach Maß. Material kann am Lager liegen, aber das verkaufte Ergebnis entsteht erst durch Zuschnitt, Bearbeitung und Prüfung.

procure_to_order: Beschaffen nach Auftrag

Nutzen Sie procure_to_order, wenn die konkrete Bestellung eine Beschaffung auslöst. Die Ware liegt nicht regulär als fertige Lagerware bereit und ist auch nicht nur ein kurzfristig fehlender Standardsortimentartikel.

Das passt für Sonderbeschaffung, projektspezifische Einkaufsartikel oder Varianten, die nur bei Kundenbedarf eingekauft werden.

Workspace reserviert dabei keine fertige Ware. Einkauf oder Disposition müssen den Folgeprozess prüfen und eine passende Einkaufsbestellung oder einen vergleichbaren Beschaffungsvorgang starten.

Auswertungen zeigen diese Position als auftragsbezogenen Beschaffungsbedarf. Wareneinsatz und Marge hängen später davon ab, dass Einkaufspreis, Wareneingang, Bewertung und Versand sauber zusammenlaufen.

Praxisbeispiele:

  • Ein technischer Händler verkauft einen seltenen Industriesensor, den er nicht im Standardsortiment führt. Der Kunde bestellt genau diesen Sensor; das Team bestellt ihn beim Lieferanten und liefert ihn nach Wareneingang weiter.
  • Ein Projektvertrieb verkauft eine kundenspezifisch angeforderte Ersatzkomponente unverändert weiter. Es gibt keinen internen Montage- oder Fertigungsschritt; der Auftrag löst nur die Beschaffung aus.

Szenarien richtig modellieren

Reales SzenarioGute ModellierungWarum
Fertig verpackter Lagerartikel wird verkauft.Verkaufsvariante mit stock.Der Engpass ist eigener Lagerbestand, Reservierung, Picking und Versand.
Standardartikel ist vorübergehend leer, wird aber regelmäßig nachgefüllt.Verkaufsvariante mit nos.Der Bedarf soll als Nachlieferung sichtbar bleiben, nicht als Sonderbeschaffung.
Lieferant versendet direkt an den Kunden.Verkaufsvariante mit dropship.Das eigene Lager ist nicht der operative Erfüllungsort.
Rohprodukt liegt bereit und wird nach Auftrag finalisiert.Verkaufsvariante mit finish_to_order; Rohprodukt als Eingang im Plan.Die Ware ist teilweise vorhanden, aber noch nicht verkaufsfertig.
Endprodukt entsteht aus mehreren Komponenten, einige auf Lager, eine Komponente wird erst bestellt.Verkaufsvariante mit assemble_to_order; Komponenten als Eingänge; fehlende Komponente separat beschaffen.Der Kunde kauft das montierte Endprodukt, nicht die einzelne Einkaufskomponente.
Produkt wird nach Auftrag vollständig hergestellt.Verkaufsvariante mit make_to_order; Material und Ergebnis im Fertigungsplan.Vor dem Auftrag existiert keine fertige Verkaufsware.
Artikel wird nach Auftrag gekauft und unverändert geliefert.Verkaufsvariante mit procure_to_order.Der Auftrag löst Beschaffung aus, aber keinen eigenen Montage- oder Fertigungsschritt.

Pflegen Sie bei Fertigungs- und Montagefällen immer einen Plan, der die verkaufte Variante als primäres Ergebnis beschreibt. Eingangsvarianten können Lagerware, beschaffte Teile oder Vorprodukte sein. Beschaffung, Wareneingang, Montagebuchung und Versand bleiben getrennte Schritte. Diese Trennung macht später sichtbar, warum ein Auftrag wartet und wo Kosten, Bestand und Marge entstanden sind.

Auswirkungen auf Auswertungen

Berichte lesen nicht nur den Strategienamen. Sie werten die tatsächlichen Folgen aus: verfügbare Menge, Reservierungen, offene Bedarfe, Folgeprozesse, Wareneingänge, Fertigungsbuchungen, Versand und Kostenwerte.

Beachten Sie deshalb:

  • Eine Strategie ersetzt keine Buchung. Ohne Wareneingang, Fertigungsbuchung oder Versandabschluss entsteht keine belastbare Lagerbewegung.
  • Fehlender Bestand ist bei stock ein operatives Problem. Bei Fertigungs- oder Beschaffungsstrategien kann fehlender fertiger Bestand erwartbar sein.
  • Wareneinsatz und Marge werden erst aussagekräftig, wenn der verkaufte Artikel über bewerteten Bestand und Versandbuchung nachvollziehbar ist.
  • Backorder- und Nachlieferungsberichte sind vor allem für nos relevant.
  • Fertigungs- und Beschaffungsberichte zeigen offene Folgeprozesse, bevor Lager und Versand die fertige Ware sehen.

Häufige Fehlentscheidungen

  • stock verwenden, obwohl das Produkt erst nach Auftrag entsteht.
  • nos für Sonderbeschaffung verwenden, obwohl procure_to_order passt.
  • procure_to_order für reguläre Sortimentware verwenden, die nur gerade fehlt.
  • dropship wählen, obwohl das eigene Lager pickt und versendet.
  • Fertigungsstrategien setzen, aber keinen freigegebenen Fertigungsplan pflegen.
  • Die Strategie nachträglich ändern, um eine offene Bestellung passend wirken zu lassen.

Korrigieren Sie fachliche Fehlentscheidungen kontrolliert an den Stammdaten und prüfen Sie offene Vorgänge separat. Ändern Sie keine Strategie, nur um Bestands-, Fertigungs- oder Beschaffungsfehler zu verdecken.

Merksatz

Wählen Sie die Strategie nach dem Weg der Ware:

  • Fertig im eigenen Lager: stock
  • Regulär im Sortiment, aber nachlieferbar: nos
  • Extern erfüllt: dropship
  • Nach Auftrag finalisiert: finish_to_order
  • Nach Auftrag montiert: assemble_to_order
  • Nach Auftrag gefertigt: make_to_order
  • Nach Auftrag beschafft: procure_to_order

Nächste Schritte